Blog 1: Musikanalyse zu Crowbar – All I Had (I Gave)

Beavis & Butthead bekommen Sludge zu hören…

Die aus New Orleans stammenden (wortwörtlichen) Schwergewichtler der Band Crowbar haben in den späten 80er und frühen 90er Jahren einen Sound erschaffen, der neben dem chaotischen sumpfigen Lärm zeitgenössischer Bands wie Eyehategod oder Buzzov*en, mittlerweile ebenfalls als Paradebeispiel für die damals entstandene Sludge-Musik gilt.

„Sludge“, englisch für Schlamm, ist der Name eines Subgenres, welches aus der Verbindung von Elementen des Hardcore-Punks und Doom-Metals entstanden ist. Charakteristisch sind extreme Verzerrung (häufig mit Passagen mit übertriebenem Feedback), dunkle, warme und basslastige Klangfarben und starke Tempowechsel von schnell und treibend zu schleppend und langsam. Der Gesang (falls überhaupt vorhanden) besteht meistens aus Geschrei im Hardcore Stil, Gekreische oder „Growling“. Die lyrischen Themen beinhalten vorwiegend Nihilismus, Misanthropie, Pessimismus, morbide Faszinationen und politische, sozialkritische, persönliche sowie fantasierte Inhalte. Die Band The Melvins gelten mit ihren frühen Veröffentlichungen aus den 80er Jahren als Gründer dieses Genres.

1992 erschien die erste Veröffentlichung der Band Crowbar, welche der Sänger und Gitarrist Kirk Windstein jedoch 2015 in einem Interview als „nichts anderes als ein glorifiziertes Demo-Tape“ bezeichnete. (https://passmethemike.com/2015/12/07/pmtm-the-kirk-windstein-interview/) Ihr im Jahr 1993 erschienenes selbstbetiteltes Album könnte man also als das erste wahre Debut von Crowbar sehen. Produziert wurde das Album von Langzeitkumpel Philip Anselmo, der zu dieser Zeit als Sänger der Band Pantera Weltberühmtheit genoss. „All I Had (I Gave)“ war einer von zwei Tracks des Albums zu denen Musikvideos produziert wurden. Beide erschienen in der damals sehr beliebten MTV Zeichentricksendung „Beavis & Butthead“ und sind somit die einzigen Sludgelieder, denen diese Ehre zuteilwurde.

Crowbar erscheint zum ersten Mal auf Beavis and Butthead (24.03.1994)

Der Song „All I Had (I Gave)“ steigt nach einem kurzen Intro sofort in einen hardcoreartigen treibenden Rhythmus. Das Riff ist in seinem Aufbau typisch für Hardcore: zackig gespielte Powerchords, die das Moshpit eröffnen. Kirk Windstein’s kratzige und gedrängte Stimme strahlt Frust und Verzweiflung aus: „How long have I given all I got?“. Wie lange habe ich schon alles gegeben, was ich habe? Die erste Zeile deutet schon an, worum es hier geht: das Gefühl alles gegeben zu haben, ohne dass es sich gelohnt hat. Der Refrain tritt ein und man hört zum ersten Mal den Titel: „All I had I gave“. Nach einem weiteren Wechsel zwischen Strophe und Refrain kommt ein großer Spannungsaufbau. Der Moment auf den wir gewartet haben ist gekommen: das Tempo wird stark angezogen und der Rhythmus wirkt auf einmal viel schwerer und schleppender. Als hätte man die Band auf „Slow Motion“ geschaltet. Dieser Breakdown-Riff wird von dem qualvollen Gebrüll von Kirk begleitet und wird bis zum letztendlichen Fade-out weiter gespielt.

Crowbar – All I Had (I Gave) (1993)

Wie man sieht entspricht dieser Song einem Großteil der genreüblichen Charakteristika. Der Rhythmus wechselt von treibend zu schleppend (in diesem Fall nur einmal), die Stimme klingt stark nach Hardcore, die Texte erzählen von Pessimismus und persönlichem Leid und der Sound ist sehr basslastig und fett. Das Klangbild ist in diesem Fall eher auf der ausdefinierteren Seite des Sludge-Spektrums und genau das zeichnet diese Band zu dieser Zeit aus.

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